... Aristoteles spricht, das etlich weis sprechen und mainen, und spricht es mitsambt in, das freundtschaft und krieg ursach sindt der stiftung und störung. Cillierchronik S. 72 (von Otto Brunner, Land und Herrschaft, 1939, dem Abschnitt Politik und Fehdewesen als Motto vorausgeschickt).Dieser Neudruck der Schrift über den »Begriff des Politischen« enthält den unveränderten, vollständigen Text der Ausgabe von 1932. Im Nachwort von 1932 ist der streng didaktische Charakter der Arbeit hervorgehoben und ausdrücklich betont, daß alles, was hier zum Begriff des Politischen gesagt wird, nur »ein unermeßliches Problem theoretisch encadrieren« soll. Es soll, mit andern Worten, ein Rahmen für bestimmte rechtswissenschaftliche Fragen abgesteckt werden, um eine verwirrte Thematik zu ordnen und eine Topik ihrer Begriffe zu finden. Das ist eine Arbeit, die nicht mit zeitlosen Wesensbestimmungen anfangen kann, sondern zunächst einmal mit Kriterien ansetzt, um den Stoff und die Situation nicht aus den Augen zu verlieren. Hauptsächlich handelt es sich dabei um das Verhältnis und die gegenseitige Stellung der Begriffe Staatlich und Politisch auf der einen, Krieg und Feind auf der anderen Seite, um ihren Informationsgehalt für dieses Begriffsfeld zu erkennen.
religiös (konfessionell) als Gegensatz zu politischund zahlreiche andere, durchaus polemische und deshalb auch selbst wieder politische Antithesen. Die tieferen Denker des 19. Jahrhunderts haben das früh erkannt. In Jacob Burckhardts Weltgeschichtlichen Betrachtungen (etwa aus der Zeit um 1870) finden sich folgende Sätze über die »Demokratie, d.h. eine aus tausend verschiedenen Quellen zusammengeströmte, nach Schichten ihrer Bekenner höchst verschiedene Weltanschauung, welche aber in einem konsequent ist: insofern ihr nämlich die Macht des Staates über den Einzelnen nie groß genug sein kann, so [25] daß sie die Grenzen zwischen Staat und Gesellschaft verwischt, dem Staat alles das zumutet, was die Gesellschaft voraussichtlich nicht tun wird, aber alles beständig diskutabel und beweglich erhalten will und zuletzt einzelnen Kasten ein spezielles Recht auf Arbeit und Subsistenz vindiziert«. Auch den inneren Widerspruch von Demokratie und liberalem Verfassungsstaat hat Burckhardt gut bemerkt: »Der Staat soll also einesteils die Verwirklichung und der Ausdruck der Kulturidee jeder Partei sein, andernteils nur das sichtbare Gewand des bürgerlichen Lebens und ja nur ad hoc allmächtig! Er soll alles mögliche können, aber nichts mehr dürfen, namentlich darf er seine bestehende Form gegen keine Krisis verteidigen und schließlich möchte man doch vor allem wieder an seiner Machtübung teilhaben. So wird die Staatsform immer diskutabler und der Machtumfang immer größer« (Kröners Ausgabe S. 133,135,197).
kulturell als Gegensatz zu politisch
wirtschaftlich als Gegensatz zu politisch
rechtlich als Gegensatz zu politisch
wissenschaftlich als Gegensatz zu politisch
| Freiheit, Fortschritt und Vernunft verbunden mit | gegen | Feudalismus, Reaktion und Gewalttätigkeit verbunden mit |
| Wirtschaft, Industrie und Technik als | gegen | Staat, Krieg und Politik als |
| Parlamentarismus | gegen | Diktatur. |
Solche Kriege sind notwendigerweise besonders intensive und unmenschliche Kriege, weil sie, über das Politische hinausgehend, den Feind gleichzeitig in moralischen und anderen Kategorien herabsetzen und zum unmenschlichen Scheusal machen müssen, das nicht nur abgewehrt, sondern definitiv vernichtet werden muß, also nicht mehr nur ein in seine Grenzen zurückzuweisender Feind ist.Damit ist deutlich gesagt, daß der hier zugrunde liegende Feindbegriff nicht in der Vernichtung des Feindes sondern in der Abwehr, in der Messung der Kräfte und der Gewinnung einer gemeinsamen Grenze seinen Sinn hat. Doch gibt es auch einen absoluten Feindbegriff, der hier als unmenschlich ausdrücklich abgelehnt wird. Er ist absolut, weil er ich zitiere jetzt Formulierungen eines bedeutenden Aufsatzes von G. H. Schwabe aus dem Jahre 1959 »bedingungslose Anerkennung als das Absolute und gleichzeitige Unterwerfung des Individuums unter seine Ordnung« verlangt, folgerichtig sogar nicht nur Ausmerzung sondern »Selbstausmerzung des Feindes durch öffentliche Selbstanklage«. G. H. Schwabe meint, diese Selbstvernichtung des Individuums liege »bereits im Wesen der Hochzivilisation« (Zur Kritik der Gegenwartskritik, Mitteilungen der List-Gesellschaft 10. Februar 1959).
| Oben | ||
| offen für Transzendenz | ||
| 1 | Veritas: Jesus Christus | 5 |
| 2 | Quis interpretabitur? | 4 |
| 3 | Autoritas, non veritas facit legem | 3 |
| 4 | Potestas directa, non indirecta | 2 |
| 5 | Oboedientia et Protectio | 1 |
| Unten | ||
| geschlossen; System der Bedürfnisse |